Wohnen für Studierende: Leistbar nur für Reiche?

Wir sind Mieterinnen und Mieter und mischen uns nun für unsere Rechte ein.

Der Mythos vom armen Bettelstudenten passt vielleicht nicht mehr ganz in die heutige Zeit. Dennoch ist eines klar: Studierende zählen nicht zu den Top-Verdienern.

Können und sollen sie auch nicht – sie sollen ja studieren, lernen, sich vorbereiten auf das spätere Berufsleben. Verdient wird später – nach dem Abschluss, so simpel scheint die natürliche Abfolge. Die Immobilienwirtschaft scheint das anders zu sehen.

Die Mieten für das spezielle Wohnungsmarktsegment „Wohnraum für Studierende“ schießen zur Zeit mit den Luxuswohnungen am schnellsten in die Höhe. Vorallem auf Grundstücken die der Stadt, den Land oder einen Staatlichen Betrieb angehört haben. Damit dies in der Öffentlichkeit nicht sofort ins Auge sticht greift man zu einem Trick und schrumpft die Wohnungsgrößen – sogenannte „Mikroappartments“ sind der neueste Trend. Warmmiete zwischen 557 und 712 Euro im Monat für 18 bis 20 Quadratmeter zum Leben. Da fällt der Quadratmeterpreis ab 30,94 € bis 35,60 € dann nicht so schnell auf. „Früher“ baute man auch schon „Mikroappartments“ für Studierende nur hatten sie damals noch keinen so schicken Marketing-Namen, „früher“ hiessen diese Mikroappartments einfach nur Studentenwohnheim. Da war der Name nicht so schick, dafür war die Miete (wesentlich) billiger. Das lag daran, dass man früher glaubte, Studierende hätten nicht so viel Geld und sollten deshalb von hohen Wohnkosten verschont werden. Man nannte das seinerzeit „sozial“. Die Frage ist, was es dann heute ist, und wie man es nennen soll, wenn heute Wohnraum für Studierende nur noch auf einem Preisniveau neu geschaffen wird, der eigentlich im Top-Verdiener-Segment angesiedelt ist.

Die Frankfurter Hochschulen zählen etwa 65.000 Studierende.
Diesen stehen lediglich 4.400 Wohnheimplätze mit öffentlichen, privaten oder kirchlichen Anbieter zur Verfügung.
Gebaut werden sogenannte „Mikroappartments“ mit einer Warmmiete zwischen 557 und 712 Euro im Monat für 18 bis 20 Quadratmeter zum Leben.
Die Gebäude und Grundstücke sind aus öffentlicher Hand.

Nur ist es heute nicht einfach so, das der unbezwingbare „Markt“ alles an sich reißt und keinen Raum mehr lässt, um solchen Entwicklungen auszuweichen. Denn der Magistrat beteiligt sich selbst mit der veräusserung von öffentlichen Gebäuden und Grundstücken, wie auch das Land Hessen und staatliche Betriebe an solche Immobilienspekulanten. Wie im Beispiel des alten Gelände und Gebäude des Ordnungsamtes auf der Mainzer Landstraße. Sehr teures Wohnen für Studierende sei ein „Trend“, so Mark Gellert, Sprecher von Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD). „Es gibt eine entsprechende Nachfrage“, urteilt er. Diese Immobilienspekulanten greifen dabei allerdings zum selben schon beschriebenen „Trick“, die Wohnungen schön klein machen und im Gegenzug den Quadratmeterpreis schön in die Höhe schrauben – die Stadt mit der Immobilienbranche spricht offiziell gar nicht mehr von Studierenden-Wohnen, sondern allgemein von „Mikroapartments“ um Studierende zu einem Quadratmeterpreis ab 31 € anzubieten. Das Studentenwerk und der Asta der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität beklagen, dass viel zu wenige preiswerte Wohnheime entstehen. Die Frankfurter Hochschulen zählen etwa 65.000 Studierende für diese stehen lediglich 4.400 Wohnheimplätze mit öffentlichen, privaten oder kirchlichen Anbieter zur Verfügung, hier stellt sich die Frage warum das Gelände und Gebäude nicht von der Stadt selber saniert und zu verträglichen Preisen für Studenten angeboten wird.

Vielleicht sollte man die Dinge einfach beim Namen nennen und Pläne der Stadt, künftig weitere Appartments für Studierende für einen Quadratmeterpreis über 30 € durch Private Investoren auf noch vor kurzen öffentlichen Grünstücken und Gebäuden anzubieten auch als genau das bezeichnen was sie sind: Abzocke, während in Frankfurt eine Wohnungsknappheit herrscht, kann man durch das Hintertürchen damit die Bildung nur noch auf Reiche beschränken.

Die Frage bleibt, was die Studierenden machen sollen, die keine Eltern im Rücken haben, die ihnen in Frankfurt diese Mieten bezahlen können – oder für den Nachwuchs gleich eine Eigentumswohnung kaufen. Der Magistrat missbraucht die Wohnungsnot Studierender um aktiv an der Mietspirale für Frankfurt zu drehen in den sie weitere Projekte dieser Art zum jetzigen Zeitpunkt genehmigt. Das einzig konsequente an dieser Wohnungspolitik ist nur die konsequente Durchsetzung des Neoliberalismus bis in den letzten Winkel aller Lebensbereiche hier in Frankfurt. Eine „soziale“ Wohnungspolitik sieht da anders aus. Opposition gegen eine solche neoliberale Wohnungspolitik muss ebenfalls anders aussehen als bisher.


Sample image

Wohnen privatisiert oder staatlich?

Joomla day

Wasser privatisiert oder staatlich?

Joomla day

Grünflächen oder Betonflächen?